Die Geschichte der Aidshilfe Paderborn

Seit 1987 sind wir in Paderborn für Sie da

Die Geschichte von HIV und Aids ist nicht nur die Geschichte einer Katastrophe, sondern auch eine Erfolgsgeschichte. Selten schritt die medizinische Forschung so schnell voran. Die Krankheit, die vor allem stigmatisierte Gruppen wie homosexuelle und drogenkonsumierende Menschen betraf, trieb letztlich deren Emanzipation voran und brachte innovative Präventionsmodelle hervor, bei denen die besonders betroffenen Gruppen einbezogen wurden.

Daher muss unser Fazit lauten: Wir haben viel gelernt – weiter so!

Was man vergisst, hat man im Grunde nicht erlebt.

Ernst R. Hauschka (1926-2012), deutscher Aphoristiker und Lyriker

1978

Gründung der Gruppe „Paderborner Aktion Homosexualität“, die es sich zum Ziel gesetzt hat, schwule Kultur in Paderborn zu etablieren. Mitte der achtziger Jahre wird die Gruppe in SchwiP (Schwul in Paderborn) umbenannt.

1987

Aus der SchwiP Gruppe heraus wird am 11.02.1987 die Gründungsversammlung der „AIDS-Hilfe Paderborn“ initiiert. Erster Vorsitzender wird Bernd Ernesti, weitere Vorstandsmitglieder werden Reinhard Klenke, Dietrich Stoltenburg, Ernst Zumpe und Werner Kohnert. Vorerst finden sowohl die Vereinsarbeit als auch die Beratung und Begleitung in den Privaträumen der Mitglieder statt. Am 07.04.1987 wird die Aidshilfe Paderborn im Landesverband NRW aufgenommen. Nach Gründung der Aidshilfe fordern die Fraktionen der Grünen und der SPD im Kreistag die Schaffung von Strukturen, um die psycho-soziale Versorgung HIV-positiver Menschen gewährleisten zu können. Außerdem wird die Schulung des Personals des Gesundheitsamtes, von Krankenhauspersonal und Lehrenden gefordert. Kreis und Stadt Paderborn bewilligen einmalige Zuschüsse für die Arbeit der ca. 15 ehrenamtlichen Mitarbeitenden der Aidshilfe. Mit der Veranstaltungsreihe „AIDS – Aspekte einer Krankheit“ informiert die Aidshilfe Paderborner Bürger_innen. Die erste Veranstaltung findet in der evangelischen Studierendengemeinde statt.

Zeitung: AIDS ist keine Naturkatastrophe

Im November 1987 wird die Beratungsstelle in der Riemekestraße 15 eröffnet. Das Angebot umfasst neben der Begleitung Betroffener und ihrer Angehörigen ein Info-Telefon, eine Einstiegs-Gruppe, in der interessierte Menschen auf ihre ehrenamtliche Tätigkeit vorbereitet werden und umfangreiche Präventionsarbeit.

1988

Im Januar nimmt Bernd Ruhmann (Diplom Sozialpädagoge) als erster hauptberuflicher Mitarbeiter der Aidshilfe seine Arbeit auf. Er bringt Erfahrungen aus dem Drogenbereich mit. Im Januar wird die Paderborner Aidshilfe Mitglied der Deutschen Aidshilfe.

Zeitung: Der letzte Notnagel

Beratungszeiten sind montags bis donnerstags von 17 bis 19 Uhr und sogar sonntags von 18 bis 20 Uhr. Im Oktober stellt die Aidshilfe ihren ersten Tätigkeitsbericht im Kreissozial- und Gesundheitsausschuss vor.

1989

Im Juli beginnt Brigitta Ewers als zweite hauptberufliche Mitarbeiterin der Aidshilfe ihre Tätigkeit. Im Oktober wird auf Initiative der Aidshilfe die Ausstellung „Visual Arts“ erstmalig in Deutschland gezeigt. 200 Aids-Plakate aus allen Kontinenten zieren eine Woche lang das Foyer der Kulturwerkstatt.

1990

Die NRW-Landesstelle stellt die Mittel für eine Präventionsstelle zur Verfügung. Anfang der 1990er Jahre Gründung des Telefonprojekts „Rosa Telefon“, einer Anlaufstelle für Menschen im Coming-out.

1991

Im Januar lädt SchwiP anlässlich der Gründung eines Schwulen- u. Lesbenreferates innerhalb des AStA der Uni Paderborn im Mensafoyer der Uni zum „Wärmsten Fest des Jahres“ ein. Im April 1991 sind nach Auskunft des Gesundheitsamtes Paderborn bereits 9 Menschen im Kreis Paderborn an Aids verstorben.

Zeitung: Schon 9 Aids-Tote

SchwiP organisiert den ersten (und bis 2015 einzigen) CSD (Christopher Street Day) in Paderborn.

1992

Im Februar veranstaltet ein Salzkottener Hobbyfußballverein ein Hallenturnier zugunsten der Aidshilfe. Im Juni wird ein Kinospot realisiert, um Kinobesuchende in Paderborn auf das Thema HIV/Aids und die Arbeit der Aidshilfe aufmerksam zu machen. Ebenso kann im Juni nach 2-jähriger Debatte endlich der erste Spritzenautomat in der Innenstadt von Paderborn angebracht werden.

Iris BerbenIm September verteilt die Schauspielerin Iris Berben für die Aidshilfe Kondome und Info-Material auf dem Domplatz.

1994

Im Januar veranstalten 30 Schwule und Lesben vor einem Paderborner Eiscafé ein „Kiss in“, nachdem zuvor zwei lesbische Frauen wegen Austausches von Zärtlichkeiten aus diesem Café verwiesen wurden.

Zeitung: Kann denn Liebe Sünde sein

Im November erfolgt die 1. Pfarrkonferenz des Paderborner Kirchenkreises zum Thema „Aids-Kranke begleiten“.

1995

Im Juli besuchen mehr als 70 Zuschauer_innen die ersten öffentlichen schwulen Filmnächte Paderborns. An einem Wochenende werden in der Aidshilfe verschiedene Filme gezeigt. Im November findet eine Aids-Infowoche in der Stadtbibliothek statt.

1997

Der 10. Geburtstag der Aidshilfe wird mit zahlreichen Aktionen gefeiert. Neben Fortbildungen zum Thema HIV/Aids und einer Filmwoche an der Uni werden im Jubiläumsjahr unter anderem Auftritte von dem Schriftsteller Napoleon Seiffert, der Entertainerin Lilo Wanders und der Sängerin Marianne Rosenberg sowie eine Oldtimer- Rallye unter dem Motto „10 Jahre AIDS-Hilfe Paderborn – eine Jubiläumsfahrt“ organisiert.

Zeitung: Infektion bleibt tödlich

In Zusammenarbeit mit Mitarbeitenden des Streetwork unter Führung des KIM Paderborn und später ebenso im niedrigschwelligen Kontakt-Café B2 für drogengebrauchende Menschen bietet die Aidshilfe regelmäßige Präventionsveranstaltungen an.

1998

Aufbau der ersten festen Selbsthilfegruppe HIV-positiver Menschen. In Zusammenarbeit mit der evangelischen Studierendengemeinde (ESG) bietet der Arbeitskreis SchwiP eine schwul-lesbische Jugendgruppe an, die sich in den Räumen der ESG trifft. Am 01.12. findet die offizielle Eröffnung der Aidshilfe in den neuen Räumen der Friedrichstraße 51 statt.

1999

Der Aufbau einer ehrenamtlichen Telefongruppe ermöglicht die Ausdehnung der telefonischen Beratungszeiten.

2000

Im Rahmen eines großen Radio-Konzertes ist die Aidshilfe mit einem Info-Stand vertreten. HIV-positive Frauen aus Westfalen treffen sich erstmals zu den sogenannten Ariadne-Tagen. Die Aidshilfe ist Mitglied der Basisgruppe Paderborn, in der kooperierende Drogenhilfeeinrichtungen sich regelmäßig treffen.

2001

Anlässlich des Welt-Aids-Tages im Dezember eröffnet Birgit Lobbel ihre photographische Ausstellung „Wahr-Scheinlichkeiten im Augenblick“ in der Aidshilfe.

2002

Die Aidshilfe startet zum Welt-Aids-Tag die Präventionsaktion „Sicher im Verkehr“ und gibt in den Nachtbussen am Wochenende Kondome und Info-Materialien aus.

2003

Der Aidshilfe droht eine erhebliche Mittelkürzung, da die NRW-Landesregierung eine Streichung der Zuschüsse im Youthwork-Projekt um ein Drittel vorsieht. Die Aidshilfe initiiert daraufhin eine öffentliche Podiumsdiskussion. Die Kürzungen können abgewehrt und somit kann die Youthwork-Stelle erhalten werden. Renovierung der Räumlichkeiten der Aidshilfe.

2004

Die Aidshilfe realisiert gemeinsam mit einer Fotografin und HIV-positiven Frauen aus Westfalen das Foto- Projekt „Gezeichnete Körper„. Nach der Eröffnung in den Räumen der Aidshilfe „tourt“ die Ausstellung durch NRW. Im Juli findet in Kooperation mit dem Aktionsbündnis gegen Aids der evangelischen Kirche erstmals die „Nacht der Solidarität“ mit einem Infostand, einer Filmvorführung und einem Fackelzug statt.

2005

Im September startet das Projekt „APFEL“. Hier geht es um Aids-bezogene Präventionsarbeit für/ mit Frauen zur Erweiterung der Lebenskompetenzen. Zielgruppe sind Menschen mit osteuropäischem Migrationshintergrund. Unter dem Motto „run for life“ nimmt die Aidshilfe seit 2005 am Osterlauf in Paderborn teil.

2006

Die Räumlichkeiten sowie die Büros werden renoviert und mit technischen Geräten und Büromöbeln neu ausgestattet. Die Aidshilfe ist während des Fußballturniers „Padercup“ mit einem Infostand vertreten. Die Einnahmen des Turniers werden der Aidshilfe gestiftet. Das Projekt „APFEL“ kann bis Juni 2007 verlängert werden.

2007

Am 11.02.2007 findet ein Frühstücksbrunch zum 20-jährigen Bestehen der Aidshilfe Paderborn mit kooperierenden Organisationen und Menschen statt, am 15.06.2007 folgt die offizielle Jubiläumsfeier im MultiCult Paderborn. Im August findet eine Teilnahme am NRW-Tag in Paderborn mit Infostand, Spaß und Spiel rund um das Thema HIV und einem Kaffee- und Kuchenbasar statt. Unter dem Motto „Ariadne on Tour“ finden Treffen der westfälischen HIV-positiven Frauen ab sofort in den Regionen statt, der Start ist in Paderborn.

2008

ProMig (Prävention mit osteuropäischen Migrantinnen und Migranten), ein Modellprojekt der Aidshilfe Paderborn und der Deutschen Aidshilfe, startet. Es knüpft an die Arbeit des APFEL Projekts an und soll zielgruppenspezifische HIV-Präventionsmaßnahmen entwickeln und implementieren. Im Juli findet die Fotoaktion „Sommer der Liebe? Aber sicher!“ statt. Zum Welt-Aids-Tag findet ein Benefizklettern im Paderborner Kletterpark und unter dem Motto „Rock against Aids – your voice for life“ ein Benefizkonzert statt.

2009

Im Rahmen eines Besitzwechsels des Hauses in der Friedrichstraße wird die Aidshilfe renoviert und erhält einen Dauermietvertrag. Vertreten durch das Herzenslust Team und weitere jecke Ehrenamtliche nimmt die Aidshilfe erstmals am Paderborner Karnevalsumzug teil. Im Rahmen von ProMig findet der Wettbewerb „Gesunde Welle“ statt, bei dem innovative HIV-Präventionsmedien erstellt und prämiert werden.

2010

Zur Fußball WM in Deutschland findet ein schwul-lesbisches „Rudelglotzen“ unter dem Motto „Der Ball ist bunt“ in der Aidshilfe statt. Die Aidshilfe bekommt von einem Möbelhaus für zwei Jahre kostenfrei ein Leasingauto zur Verfügung gestellt. Im November findet zum Abschluss des Projekts ProMig ein Fachtag mit der Deutschen Aidshilfe und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Berlin statt.

2011

Mit zwei Klavierkonzerten zugunsten der Aidshilfe wird eine neue Zielgruppe unter dem Motto „Classic meets Jazz und Pop“ angesprochen. In Kooperation mit dem Sexualpädagogischen Arbeitskreis Paderborn finden erstmals die JugendFilmTage mit Filmvorführungen und Mitmachaktionen statt. Nicht alltäglich, der Vorstand des Vereins erfährt einen kompletten Personalwechsel. Mit einem Vortrag über feministische Pornographie ist Laura Méritt zu Gast in Paderborn. Im Rahmen einer Neuauflage der Nachtbus-Präventionsaktion „Sicher im Verkehr“ wird ein Präventionsspot erstellt und rund um den Welt-Aids-Tag in Paderborner Bussen gezeigt. Auf Anregung der Aidshilfe gibt es auf dem Weihnachtsmarkt in Paderborn einen Stand, an dem soziale Organisationen ihre Arbeit bewerben können, natürlich ist die Aidshilfe an drei Tagen selbst mit dabei.

Interviews und Bilder aus 25 Jahren Aidshilfe Paderborn

Zusammengestellt anlässlich des 25-jährigen Jubiläums 2012.

2012

2012 stand ganz im Zeichen des 25 jährigen Jubiläums; mit zahlreichen Aktionen, Ständen und einer gelungenen Jubiläumsfeier war die Aidshilfe Paderborn immer wieder im Fokus der Öffentlichkeit. Zu den vielen Jubiläumsaktionen gehörten unter anderem eine Lesung des Autors Matthias Gerschwitz („Endlich mal was Positives“), ein Benefizrockkonzert unter dem Motto „ROCK 4 LIFE“, eine Ausstellung der Werke des Künstlers Jean-Luc Tissot mit dem Thema „Leben mit Aids – Impressionen“, eine Diskussionsveranstaltung zum Thema: „Sind HIV positive Menschen bei erfolgreicher HIV-Therapie noch infektiös?“ und inhaltliche Workshops zu den Themen „HIV und Familiengeheimnisse“ und „Zwangsprostitution und Menschenhandel“.

Die Kampagne „Prävention für osteuropäische Migranten“ (PfoM) startet und rückt Menschen mit Migrationshintergrund in den Fokus der Aidshilfe Arbeit.

2013

Das Youthwork- Programm, unter dessen Mantel auch in Paderborn sexualpädagogische Aids-Prävention im Sinne ganzheitlicher Gesundheitsförderung betrieben wird, feierte 25-jähriges Jubiläum. Aktuelles Thema in Paderborn war die Umsetzbarkeit von Inklusion in (Schul-)Veranstaltungen; mit den Präventionsangeboten erreichte die Aidshilfe Schulklassen aller bestehenden Schulformen mit diversen Förderschwerpunkten im Kreis Paderborn. Konkret wurden verschiedene Methoden für Menschen, die aufgrund körperlichen und / oder geistigen Einschränkungen behindert werden, entwickelt, ausprobiert und in der täglichen Arbeit umgesetzt.

Das Herzenslust– Team brachte sich in die Diskussion mit einem Gruppenwochenende zum Thema „Sexualität der Vielfalt“ mit ein, mit dem Projekt PfoM wurden zudem Menschen mit Migrationshintergrund weiter in den Blick genommen.

Dank einer Spende der Förderstiftung der Sparkasse Paderborn verfügte die Aidshilfe nun über einen eigenen Pkw für Prävention und Unterstützung von HIV-positiven Menschen, der mit Motiven des Paderborner Künstlers Herman gestaltet wurde. Im August trat die Aidshilfe der Arbeiterwohlfahrt Paderborn bei.

2014

Die einzige von der Ärztekammer anerkannte HIV-Behandlerin in der Stadt Paderborn gab ihre Praxis auf und zog weg. Das hieß für HIV-positive Menschen, dass eine HIV Behandlung hier vor Ort nicht mehr gemacht werden kann. Die Ärztin hatte nach eigenen Angaben in ihrer Praxis ca. 85 HIV positive und/oder an Aids erkrankte Menschen behandelt; diese standen nun ohne qualifizierte medizinische Betreuung da. Im gesamten Kreis Paderborn gab es seitdem nur noch einen anerkannten HIV-Behandler. Versuche eine ärztliche Praxis oder Krankenhäuser mit Infektionsstation für das Thema HIV und Aids zu begeistern, schlugen fehl.

Das von der Aidshilfe Paderborn neu angebotene Ambulant Betreute Wohnen erhielt den Namen “manyways” und ist ein Hilfsangebot für erwachsene Menschen mit einer psychischen Erkrankung und/oder einer chronischen Suchterkrankung, die einen erhöhten Hilfebedarf haben. Ziel ist es, die Person so zu unterstützen, dass eine eigenständige Lebensführung erhalten oder zurückerlangt werden kann und eine Teilhabe an der Gesellschaft wieder ermöglicht wird.

2015

Seit März 2015 wird in den Räumen der Aidshilfe ein HIV-Schnelltest angeboten. Die Möglichkeit, sich in der Aidshilfe anonym auf HIV-Antikörper testen zu lassen, wurde von Beginn an überaus gut angenommen. Teilweise war das Angebot so stark frequentiert, dass wir anstelle von einer Stunde noch eine weitere Stunde angehängt hatten, um niemanden wegschicken zu müssen.

Am 06.06. fand in Paderborn der erste PaderPride statt. An diesem Fest-, Gedenk- und Demonstrationstag von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Queer, Inter* und Trans* wurde für die Rechte dieser Gruppen sowie gegen Diskriminierung und Ausgrenzung gefeiert und demonstriert.

Die Aidshilfe soll durch den neu gegründeten Förderverein der AIDS-Hilfe Paderborn e.V. mit Tatkraft und neuen Ideen im Rahmen von Spendensammeln und Fundraising in der Arbeit in Zukunft unterstützt werden.

2016

Die Situation der steigenden Zahl von Flüchtlingen in Deutschland hat unsere Arbeit beeinflusst. Zwar hatten wir, insbesondere in der Beratung und Betreuung, schon immer regelmäßig mit flüchtenden Menschen zu tun, aber auch wir bemerkten Steigerung und Veränderung in den Anfragen. Im Rahmen der HIV-Prävention hatten wir verstärkt minderjährige unbegleitete Flüchtlinge als Zielgruppe. Auch in der Beratung von schwulen, lesbischen oder queeren flüchtenden Menschen und der mit ihnen arbeitenden Hauptberuflichen und Ehrenamtlichen tauchten neue und vermehrte Fragen auf.

Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit konnten wir viele Übersetzungen tätigen und Materialien in Fremdsprachen erstellen. So können sich nun (mindestens in Kurzform) Menschen in 20 Sprachen (inkl. Deutsch und „Leichte Sprache“) auf unserer Homepage informieren. Im wahrsten Sinne Flagge und eine rote Karte zeigten wir bei Demonstrationen in Paderborn und deutschlandweit, die sich für Vielfalt in der Gesellschaft und gegen Rassismus aussprachen.

2017

2017 war für die Aidshilfe in Paderborn ein Jubiläumsjahr. Vor dreißig Jahren wurde sie in den Hochzeiten der Aidskrise gegründet, weshalb wir unter anderem mit einem Fachtag und einem extra großen Sommerfest feierten. Leider gab es nicht nur Grund zum Feiern: Bei unseren Testangeboten gab es die ersten HIV-positiv getesteten Klienten, die Anfragen von HIV-positiven Menschen insgesamt nahmen extrem zu. Vielen Menschen aus unserem Klientel ging es gesundheitlich schlecht(er), und wir mussten mehrfach Abschied nehmen von Menschen, die uns auf unserem Weg begleitet haben und uns sehr nah standen.

Erfreulicher waren die vielen Begegnungen im Rahmen des Jubiläums, auf persönlicher aber auch institutioneller Ebene. So führten Gespräche über unsere Arbeit und die finanziell sehr prekäre Lage unter anderem dazu, dass der Jugendhilfeausschuss der Stadt Paderborn beschloss, uns in Zukunft mit einem um 5.000 € höheren jährlichen Zuschuss zu unterstützen. Das nahm viel Druck von den Schultern, insbesondere unseres ehrenamtlichen Vorstands.

2018

2018 war für die Aidshilfe in Paderborn ein Jahr, in dem wir verstärkt die Zukunft in den Blick genommen haben: Welche Projekte wollen wir weiterverfolgen, welche Erfolge können wir verbuchen, was ist überflüssig geworden, was kommt Neues hinzu?

Stetig gewachsen ist in diesem Jahr der Queere Jugendtreff „Ohana“, der sich mit teilweise ca. 70 Jugendlichen zu dem beliebtesten Jugendtreff Paderborns entwickelt hat. In Zusammenhang mit der queeren Jugendgruppe sind auch die Beratungsanfragen zum Thema Trans* weiter gestiegen. Auch die Beratungszahlen rund um HIV und sexuell übertragbare Infektionen sind 2018 deutlich mehr geworden. Die Menschen im Kreis Paderborn schätzen unser Angebot, anonym und niedrigschwellig zu HIV- und STI-Tests beraten werden zu können.

Leider hat Ende 2018 der einzige HIV-Mediziner Paderborns seine Praxis geschlossen. Für HIV-positive Menschen im Kreis Paderborn bedeutet das nun, für die HIV-Behandlung weite Wege auf sich nehmen zu müssen. Wir als Aidshilfe sind vermehrt gefordert, Menschen zu helfen, die aufgrund von gesundheitlichen Problemen, finanziellen Nöten und anderen Hindernissen den teilweise weiten Weg in die HIV-Ambulanzen nicht alleine bewerkstelligen können.