PaderPride 2017 – Held*innen gesucht

PaderPride 2017 – Held*innen gesucht

Unter dem Motto „Held*innen gesucht!“ fand 2017 wieder der PaderPride statt. An diesem Fest- und Gedenktag von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans*, Inter* und Queer (LSBTTIQ) wurde für die Rechte dieser Gruppen sowie gegen Diskriminierung und Ausgrenzung Flagge gezeigt und gefeiert. Die AIDS-Hilfe und das Herzenslust Team klärte im Rahmen der Veranstaltung über die Situation und Probleme von LSBTTIQ auf und machte damit weitere Schritte in Richtung der Schaffung einer Akzeptanz der vielfältigen sexuellen und geschlechtlichen Ausprägungen. Der PaderPride fand im Rahmen des CSDs (Christopher Street Day) statt, rund um diesen Tag wird weltweit an den sogenannten Stonewall-Aufstand erinnert. Am 28. Juni 1969 wehrten sich die trans- und homosexuellen Besucher der Bar Stonewall gegen die wiederholten Razzien der Polizei. Seit dem ersten Jahrestag dieses Aufstandes wird auch in vielen deutschen Städten mit Paraden für Rechte von LSBTTIQ demonstriert. Nach dem Erfolg im letzten Jahr hatten wir auch diesem Jahr nicht nur am Tag der Veranstaltung selbst, sondern auch in verschiedenen weiteren Veranstaltungen rund um den PaderPride ein interessantes Programm aufgestellt. Der Pride Day stellte den Höhepunkt der Pride Weeks dar.  Mit einem Demonstrationszug durch die Paderborner Innenstadt mit Ausgangs- und Endpunkt Rathausplatz begann um 11 Uhr die Veranstaltung. Mit lautstarker Musik und Seifenblasen zog der bunte Bollerwagen von Herzenslust Aufmerksamkeit auf sich. Beim direkt anschließenden Straßenfest auf dem Rathausplatz in Paderborn übernahmen die Herzenslustler mit den Leuten aus der AIDS-Hilfe wieder den Getränkeverkauf, so dass sich am Stand wieder viele ungezwungene Gespräche ergaben. Ebenso zogen die Mitarbeiter aber mit Kondombriefchen und überarbeiteten Visitenkarten mit Informationen zu den Möglichkeiten, in Pderborn und Umgebung einen HIV-Test zu machen, durch die Menge. Neben...
Gib HIV-PrEP eine Chance!

Gib HIV-PrEP eine Chance!

Schutz vor einer HIV-Infektion ist schon lange nicht mehr nur an das Kondom gebunden. Eher neu und in der schwulen Szene derzeit ein top-aktuelles Thema ist die PrEP, zu der wir am 18. Mai in einem Workshop interessierte schwule Männer informierten. Referiert hat an diesem Abend der Paderborner Arzt und Herzenslust Mitarbeiter Zakhar Yanyushkin, der den Gästen nicht nur aus medizinischer, sondern auch aus persönlicher Sicht das Thema näher bringen konnte. Die Veranstaltung fand im Rahmen der Pride Weeks des PaderPride 2017 statt. PrEP ist die Abkürzung für „Prä-Expositions-Prophylaxe“, auf Deutsch: Vorsorge vor einem Risiko-Kontakt. Bei einer PrEP nehmen HIV-negative Menschen HIV-Medikamente ein, um sich vor einer Ansteckung mit HIV zu schützen. Die Wirksamkeit der PrEP mit dem HIV-Medikament Truvada® ist bei schwulen Männern mit hohem HIV-Risiko nachgewiesen. Bei ihnen schützt die PrEP so gut wie Kondome vor HIV. In sehr seltenen Fällen kann es aber trotz PrEP zu einer Ansteckung kommen. Außerdem schützt die PrEP nicht vor anderen Geschlechtskrankheiten. Das HIV-Medikament Truvada® gilt als gut verträglich. Eine seltene, aber schwerwiegende Langzeitnebenwirkung ist eine Schädigung der Nieren. Wichtig ist, vor der PrEP und danach alle drei Monate einen HIV-Test zu machen und regelmäßig seine Nierenwerte kontrollieren zu lassen. Truvada® ist bereits in mehreren Ländern für die PrEP zugelassen, die europäische Zulassung erfolgte im August 2016. In Deutschland ist die PrEP seit Oktober 2016 verschreibungsfähig, derzeit wird sie aber nicht von den Krankenkassen finanziert. An weiteren Medikamenten und Darreichungsformen wird derzeit geforscht. Welche persönliche und individuelle Probleme der schwule Mann nach der Entscheidung zur PrEP hat wurde im Nachfeld der Veranstaltung sichtbar: Es ist wohl gerade bei uns in Paderborn...
IDAHOT* 2017: Trau Dich Pfad

IDAHOT* 2017: Trau Dich Pfad

Der Internationale Tag gegen Homophobie, Transphobie und Biphobie (IDAHOT*) wird seit 2005 jährlich am 17. Mai begangen. Der Aktionstag will auf die weltweite Diskriminierung und Bestrafung von Menschen hinweisen, die in ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität von der Heteronormativität abweichen. Das Herzenslust Team Paderborn lud am IDAHOT* und im Rahmen der Pride Weeks des PaderPride 2017 ein zu einem Spaziergang durch die Paderborner Innenstadt. Auf dem „Trau Dich Pfad“ wurde an Verfolgte, Verstorbene und Bedrängte; damals und heute, gedacht. So las Sonja Eickel, die im Rahmen eines Praktikums in der AIDS- Hilfe die Aktion vorbereitet hatte, am Rathaus eine Geschichte vor, in der sich der Erzähler an einer zufällig gelesenen Kreide-Schrift auf dem Weg erfreut, die „Paul ist gut“ lautete und ihn für einen Moment die eigenen Lasten und Leiden und die der Menschen weltweit vergessen ließ. Diesem Motto entsprechend wurden am Rathausplatz und auf dem weiteren Weg Kreidebotschaften hinterlassen. Am Standplatz der alten Synagoge Paderborns mahnte Thorsten Driller, nicht zu vergessen, dass es auch immer andere aufgrund einer zugeschriebenen Schwäche verfolgte Gruppen gab und gibt. Daher sei gerade in der heutigen Zeit der Zusammenschluss mit anderen diskriminierten Gruppen notwendig; Akzeptanz von Vielfalt ist auch innerhalb der Szene wichtig und unabdingbar. Hier und an der ehemaligen „Klappe“ am Kleinen Domplatz, wurde mit einem Schwungtuch bunte Vielfalt spielerisch gezeigt. Als „Klappe“ werden öffentliche Orte bezeichnet, an denen Männer anonym Sex miteinander haben. Die schon lange geschlossene öffentliche Toilettenanlage unter dem Generalvikariat war gerade in den Zeiten, in denen der Paragraf 175 des Deutschen Strafgesetzbuches homosexuelle Handlungen unter Männern strafbar machte, eine der bekanntesten Klappen Paderborns. Den Schlusspunkt des Spaziergangs bildeten die Waschfrauen-Statuen an der Warmen Pader. Hier...
Lesung „Zwei Lieben“

Lesung „Zwei Lieben“

Herzenslust Paderborn und die Veranstaltenden des PaderPride 2017 boten zum offiziellen Start der Pride Weeks eine Lesung im Café Röhren an. Rainer Vollath las aus seinem Debutroman „Zwei Lieben“. Der 1966 geborene Autor hat in München, Paris und Kiel Romanistik und Germanistik studiert und über den spanischen Schriftsteller Juan Goytisolo promoviert. Er lebt als Autor und Redakteur in München und der Provence. In der Mitte der über 30 Gäste las Rainer Vollath einige ausgewählte Kapitel aus dem Roman vor. Ihm ist mit dem Werk gelungen, die schon oft in Sachliteratur festgehaltenen Informationen zu den Zeiten der Schwulenverfolgung in der NS-Zeit und der Emanzipationsbewegungen in der Nachkriegszeit in einem der selteneren belletristischen Romane festzuhalten. Das wirkt keinesfalls seltsam oder respektlos, vielmehr hörten die Gäste zum Teil in absoluter Stille, die sich aufgrund der Dramatik und der Darastik der geschilderten Situationen gebildet hatte, gebannt und interessiert zu. Gekonnt zieht Vollath mit einer eher sachlichen und objektiven Schreibart trotz des emotionalen Themas in den Bann. In dem anschließenden Gespräch berichtete Vollath über seine Recherchen, die gerade im Rahmen der Aufarbeitung der NS-Zeit leider keine Kontakte mit Überlebenden beinhaltete, da bereits alle ehemaligen Häftlinge verstorben sind. Zum Inhalt des Buches: Berlin 1938. Der 28-jährige Fritz wird im Berliner Tiergarten von der Gestapo ertappt, verhaftet und ins KZ gebracht. Sieben Jahre verbringt er in Sachsenhausen und Flossenbürg. Was ihm beim Überleben hilft, ist seine Liebe zu dem jungen Häftling Jan aus Warschau. Bei Kriegsende trennen sich jedoch ihre Wege für immer. Aus Angst vor Repressalien führt Fritz nach dem Krieg in Berlin jahrzehntelang ein Doppelleben und traut sich nicht, zu seinem Schwulsein zu stehen....